Ein Tag im Leben von... Pietro Dutto

Vor etwas mehr als einem Jahr beendete Pietro Dutto seine zwölfjährige internationale Biathlon-Karriere, die ihm eine IBU JJWM-Medaille, mehrere Podestplätze im IBU Cup sowie BMW IBU Weltcupstarts für Italien einbrachte. In diesem Frühjahr wechselte der ehemalige Athlet ins Trainerteam und arbeitet nun an der Seite von Cheftrainer Mirco Romanin mit der italienischen Juniorenmannschaft.

Ziel Mailand Corina, Dank an italienischen Verband und Fiamme Oro

Dutto, der zusammen mit Lukas Hofer und Dominik Windisch Staffelbronze bei der Jugend-WM gewonnen hatte, hat jetzt neue Ziele: einen jugendlichen Juniorenkader kurzfristig für den IBU Juniorencup und die IBU JJWM 2021 in Obertilliach zu entwickeln - aber vor allem liegt der „Fokus dieser Mannschaft auf den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina...Es ist ein komisches Gefühl, weil die Zeit so schnell vergeht. Manchmal bin ich ein bisschen traurig über meine Karriere...Es war schwierig, ins Trainerteam zu wechseln, aber ich glaube, es war die richtige Entscheidung. In den letzten 3 Jahren meiner Karriere habe ich viel über den Trainerjob gelernt. Es ist eine Ehre, hier sein zu dürfen. Ich bin dem italienischen Verband und der Gruppo Sportivo Fiamme Oro, der Polizeimannschaft, für diese Chance sehr dankbar.“

Tägliche Routine

Wie schon zu seinen aktiven Zeiten verbringt er im Sommer viel Zeit in Trainingslagern, vor allem in Antholz, wo die Mannschaft in der letzten Woche war. Mit der täglichen Routine ist Dutto zum Teil vertraut. „Wir stehen jeden Tag gegen 06:30 Uhr auf und frühstücken. So gegen acht Uhr geht es an den Schießstand. Normalerweise machen wir eine Skiroller-Einheit. In dieser Woche haben wir die ersten Kombi-Einheiten absolviert. In den letzten zwei Trainingslagern hatten wir nur für Treffsicherheit auf Papier geschossen. Dieser Morgen war wie viele andere, Schießen und Skiroller fahren, aber doch ein bisschen anders: Das erste Testrennen stand an. Einige von den Jungs waren ein bisschen müde, weil es die dritte Woche in Folge mit 23 - 25 Stunden Training ist, aber insgesamt haben sie sich gut geschlagen.“

Betreuung im Testrennen

Dutto und Romanin waren während des Testrennens auf der Strecke unterwegs. „Wir haben gefilmt und uns auf die Technik konzentriert.“ Einige Stunden später entschuldigte er sich für seine heisere Stimme: „Meine Stimme ist ein bisschen angeschlagen, nachdem ich heute alle auf den Anstiegen begleitet habe. Es wird spannend zu sehen, wie das im Winter in der Kälte wird!“

Wandern in der Höhe

Natürlich gibt es auch Abwechslung im Trainingsplan, und ein Tag in dieser Woche folgte nicht der üblichen Routine. „Am Mittwochmorgen haben wir mal etwas anderes gemacht: Einen langen Lauf/Wanderung auf den Gletscher, auf 3300 Meter Höhe, mit über 2000 Höhenmetern bergauf.“

Mittagessen im Garten

Zu Mittag war die große Gruppe aus 16 Athleten und 8 Trainern wieder zurück in den gemütlichen Apartments im Antholzer Tal. „Um 12 waren wir zum Essen wieder zurück. Einer der anderen Trainer, Daniele Piller Roner, ist unser Koch. Jeden Tag müssen zwei Athleten mit dem Abwasch helfen. Wir haben eine große Ferienwohnung mit Garten, was praktisch ist, weil wir da viel Platz haben. Die Athleten können sich dort dehnen und entspannen und in Zeiten von Corona auch gut Abstand halten.“

Analyse am Nachmittag

Nachmittags, wenn die Athleten sich ausruhen, geht die Arbeit für Dutto und die anderen Trainer oft noch weiter. „Nach der intensiven Einheit heute haben wir anhand der Videoaufnahmen von der Skiroller-Einheit und vom Schießen eine Technikanalyse gemacht. An den anderen Tagen in dieser Woche haben wir zu dieser Zeit Trockenschießen geübt und am Anschlag gearbeitet.“

Spätnachmittags: Skiroller klassisch

An den langen Sommertagen reicht die Zeit noch für eine zweite Trainingseinheit. „Am späten Nachmittag machen wir immer eine lockere Einheit zur Erholung. Gestern war es ein leichter Lauf um den See in Anterselva. Heute waren es eineinhalb entspannte Stunden Skiroller klassisch im Tal. Es war den ganzen Tag sonnig, aber da hat es dann angefangen zu regnen, also haben wir abgekürzt und sind nach Hause gefahren.“

Urlaubsstimmung mit netten Kollegen

Abendessen gibt es meist gegen 19:00 Uhr, sodass noch ein bisschen Zeit zum Entspannen bleibt, bevor es gegen 10 ins Bett geht. „Die Athleten gehen früh ins Bett.“ Bei den Trainern ist das anders, sie arbeiten manchmal 16-Stunden-Tage. „Nach dem Abendessen ist es nett, da setzen sich alle Trainer zusammen. Manchmal trinken wir ein Bier und genießen den Abend zusammen. Ich habe großes Glück mit meinem ersten Trainerjahr, weil ich sehr nette Kollegen habe. Man ist lange von Zuhause weg: In diesem Sommer werden wir 80 Tage in Trainingslagern verbringen. Es ist schön, wenn die Stimmung insgesamt gut ist, dann fühlt es sich ein bisschen wie Urlaub an.“

Freude und Erfüllung

Der 31-Jährige erklärt, dass er in seinem neuen Beruf Freude und Erfüllung findet. „Es ist genau so, wie ich es erhofft hatte, aber dadurch, dass ich mich mit den Trainern so wohl fühle, macht es auch richtig Spaß. Die Zeit vergeht wie im Flug, weil ich mit meinem Kollegen so gut auskomme.“ Die Erfüllung findet er in der Arbeit mit den Athleten, von denen einige gerade mal 16 Jahre alt sind. „Ich will jeden Tag mein Bestes geben. Wenn du siehst, dass die Athleten mit deiner Arbeit zufrieden sind und sich darauf einlassen... zeigen sie dir, dass sie an dich glauben... Es ist auch schwierig, weil ich gerade aus der Athletenperspektive gewechselt habe.“

Unterschiede zur eigenen Junioren-Zeit

Dutto sieht auch Unterschiede zu seiner eigenen Zeit bei den Junioren. „Diese Athleten sind besser am Schießstand. Als ich damals angefangen habe, waren die Bedingungen nicht so gut. Die Trainer waren unerfahren, was das Schießen anging, und zu Anfang schossen wir in einer Höhle auf Schotter. Die neue Generation hat die ganze Infrastruktur zur Verfügung, mit Skiroller-Strecken, Schießständen und den internationalen Rennen, also sammeln sie mehr Erfahrungen. Sie sind am Schießstand besser, aber auf den Skiern etwa gleich gut.“

Ab aufs Rennrad

Auch wenn das Trainingslager sich dem Ende zuneigt und die Athleten dann eine Woche Ferien haben, will dieser enthusiastische Trainer auf keinen Fall faulenzen. „Ich schwinge mich wieder aufs Rennrad, auch wenn die Radrennen für dieses Jahr alle abgesagt sind. Ich werde auch weiter mit der G.S.-Fiamme-Oro-Mannschaft arbeiten und Weltcup-Athletinnen wie Dorothea Wierer unterstützen, wenn sie zuhause und nicht im Trainingslager sind.“

„Erfahrungen an junge Generation weitergeben“

Auch wenn Duttos Tage im IBU Cup und Weltcup vorbei sind, ist der frischgebackene Trainer so motiviert wie eh und je, mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht und einer heiteren, positiven Einstellung. „Ich brenne für den Biathlonsport, mehr als für das Rennradfahren oder Laufen. Ich verbringe auch einen großen Teil meiner Freizeit damit, über Training und Vorbereitung zu lesen. Die Herausforderung besteht darin, die junge Generation zu lehren und meine Erfahrungen an sie weiterzugeben, zu sehen, wie sie wachsen und die Resultate zu sehen. Resultate können ganz unterschiedlich aussehen. Das kann bedeuten, eine Medaille zu gewinnen, oder einfach nur für die Juniorenweltmeisterschaft aufgestellt zu werden. Wenn ein Athlet das Maximum aus sich herausgeholt hat, dann hat man als Trainer sein Ziel erreicht.“

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