Hettich und Paulsen gewinnen Kurz-Einzel im IBU-Cup

In Brezno-Osrblie warteten strahlender Sonnenschein und -10 °C auf die Starterinnen im Kurz-Einzel der Frauen und versprachen einen schnellen Wettkampf. Die deutsche Biathletin Janina Hettich traf dabei alle 20 Scheiben und krönte sich am Ende der 12,5 km in 35:26,6 Minuten zur Siegerin. Bei den Männern schwang sich der 21-jährige Norweger Vetle Paulsen trotz zweier Schießfehler zum Überraschungssieger auf. Nach 36:35,0 Minuten sicherte er sich seine erste Podiumsplatzierung überhaupt im Männerbereich. 

Kurz-Einzel der Frauen

Nach einem Fehlschuss im Stehendanschlag sicherte sich die Russin Evgeniia Burtasova mit einem Rückstand von 41,8 Sekunden Platz zwei. Der Bronzerang ging an Marthe Krakstad Johansen (Norwegen), die nach tadellosem Schießen 54,7 Sekunden hinter Hettich ins Ziel kam.

Erfolg im IBU-Cup nach Oberhof-Debakel

Janina Hettich, die vergangene Woche noch beim BMW IBU-Weltcup in Oberhof an den Start ging, zählte vor Beginn des heutigen Kurz-Einzels zum ausgewiesenen Favoritenkreis. Nach ihren fünf Treffern im ersten Liegendschießen wurde schnell klar, dass sie um die vorderen Plätze mitlaufen würde. Obwohl ihre härtesten Konkurrentinnen zunächst noch schneller waren als die Deutsche, die nach dem ersten Durchlauf am Schießstand 11,1 Sekunden hinter Natalia Gerbulova als Vierte zurück in die Loipe ging, zeigte die DSV-Athletin ein überaus konstantes und stabiles Rennen. Zu Beginn des ersten Stehendschießens lag die Schwedin Sara Andersson in Front. Dort leistete sie sich einen Fehler, sodass Hettich die Spitze übernehmen konnte. Nach ihrer zweiten fehlerfreien Schießeinlage an diesem Tag schob sie sich auf den dritten Platz, 24,4 Sekunden hinter der Russin Evgeniia Burtasova, die nach fünf weiteren Treffern die Führung übernahm. 

Während Burtasova das Tempo vorgab, verbesserte sich Hettich vor dem zweiten Liegendschießen um eine Position. Vor dem letzten Schießen des Tages lag die Russin 12,1 Sekunden vor der Deutschen in Führung, sodass die letzten fünf Schuss über den Ausgang des Rennens entscheiden sollten. Die mit Startnummer 40 ins Rennen gegangene Burtasova wusste zu diesem Zeitpunkt, dass die vor ihr gestartete Hettich auch im vierten Schießen fehlerfrei blieb und demnach ebenfalls alle fünf Scheiben auf Weiß stellen musste. Am Ende hielt sie diesem Druck nicht ganz stand und fing sich durch ihren Fehlschuss 45 Strafsekunden ein. Dadurch war Hettich der Sieg nicht mehr zu nehmen und Burtasova musste sich mit dem zweiten Platz zufriedengeben. 

„Es fühlt sich richtig gut an. Im Weltcup hatte ich fast jeden Schuss daneben gesetzt. Heute lief es weitaus besser und ich konnte 20 Treffer landen. Mit meiner Laufleistung bin ich soweit auch zufrieden. Sie hätte zwar besser sein können, aber ich habe gewonnen. Das zählt. Nun konzentriere ich mich darauf, meine Schießleistung zu stabilisieren und hier in Osrblie auch in Sprint und Verfolgung gute Resultate abzuliefern.“

Kampf um Rang drei

Hettich und Burtasova waren der Konkurrenz weit voraus, doch der Kampf um den letzten Platz auf dem Treppchen war umso spannender. Während die Schwedin Sara Andersson vor dem letzten Stehendanschlag noch auf Position drei lag, kostete sie ihr zweiter Fehler des Tages schließlich das Podium. Die Norwegerin Johansen lieferte indessen bei allen vier Schießeinlagen eine äußerst konzentrierte und vor allem fehlerfreie Leistung ab. Auch die Österreicherin Kristina Oberthaler räumte alle 20 Scheiben ab, konnte an diesem Tag allerdings nicht mit den flinken Ski von Johansen mithalten, die sich so den Bronzerang erkämpfte. 

Oberthaler landete am Ende mit einem Rückstand von 1:07,6 Minuten auf dem vierten Platz. Andersson (zwei Fehler, 1:09,0 Minuten zurück) wurde Fünfte, während Mareike Braun (Deutschland) nach tadellosem Schießen 1:15,6 Minuten hinter Hettich als Sechste noch mit zur Siegerehrung durfte.

Kurz-Einzel der Männer

Bei den Männern gab es mit dem 21-jährigen Vetle Paulsen einen Überraschungssieger. Der spät ins Rennen gegangene Norweger hatte den Vorteil, dass er über die Leistungen der anderen Starter genauestens Bescheid wusste. Am Ende siegte er 5,9 Sekunden vor seinem fehlerfrei schießenden Teamkollegen Martin Femsteinevik. Justus Strelow (Deutschland) verfehlte zwei Scheiben und kam 13,4 Sekunden hinter dem Sieger auf Rang drei. 

Erster Sieg bei den Männern 

Als Paulsen mit Startnummer 106 ins Rennen ging, wusste er genau, wie die anderen Starter vor ihm abgeschnitten hatten. Aufgrund der guten Form seiner Teamkollegen durfte er diese als Top-Favoriten auf den Sieg ausmachen. Während Endre Stroemsheim das erste Schießen als Schnellster abschloss, setzte sich Paulsen nach fünf Treffern nur 1 Sekunde dahinter auf den zweiten Platz. Damit war klar, dass man den jungen Norweger im Auge behalten sollte. Auch Vasilii Tomshin wollte ein Wörtchen um den Sieg mitreden. Nachdem er im ersten Liegendschießen alle Scheiben abräumte, platzierte er sich 7,4 Sekunden hinter Stroemsheim auf Rang drei. Strelow fing sich unterdessen früh 45 Strafsekunden ein, sodass er nach dem ersten Schießen auf Rang 48 zurück in die Loipe ging. Femsteinevik traf alle fünf Scheiben und setzte sich vorläufig auf Position 18. 

Stroemsheim und Paulsen gaben weiter das Tempo vor und kamen auf den Positionen eins und zwei zum nächsten Schießen. Stroemsheim lief etwas schneller und baute den Vorsprung auf seinen Teamkollegen auf 10,3 Sekunden aus. Während der Führende einmal mehr fehlerfrei blieb, musste Paulsen einen Fehlschuss verkraften, der ihn auf Position acht zurückfallen ließ. Nach Abschluss des ersten Stehendschießens lag Stroemsheim 28 Sekunden vor dem Franzosen Martin Bourgeois Republique, der zu diesem Zeitpunkt sein ärgster Verfolger war. Femsteinevik kam als 21. zum zweiten Schießen, machte nach fünf Treffern dann allerdings einen großen Sprung nach vorn auf Position sechs. Strelow rangierte nach einem weiteren Fehlschuss vorläufig auf Rang 36. 

Stroemsheim lief dann fast eine Minute Vorsprung auf den zweitplatzierten Franzosen heraus, sodass er sich im dritten Schießen des Wettkampfs einen Fehler leisten konnte, ohne die Führung einzubüßen. Der Norweger patzte einmal, blieb aufgrund seines komfortablen Vorsprungs allerdings vorerst in Führung. Paulsen verfehlte ebenfalls eine Scheibe und fiel auf den zehnten Platz zurück. Femsteinevik versenkte einmal mehr alle fünf Patronen im Ziel und schob sich auf den dritten Rang. Strelow blieb diesmal im Gegensatz zu den ersten beiden Runden fehlerfrei. Nach fünf Treffern im zweiten Liegendanschlag schob sich der Deutsche auf den 17. Platz. Da noch zwei weitere Runden und ein Schießen zu absolvieren waren, sollte der Wettkampf seinen Höhepunkt erst noch erleben. 

Vor dem letzten Schießen des Tages lag Stroemsheim 40 Sekunden vor dem Russen Dmitrii Ivanov und mehr als eine Minute vor Paulsen. Da Paulsen zu diesem Zeitpunkt wusste, dass Stroemsheim zwei Scheiben stehen ließ und seine Siegchancen damit einbüßte, setzte er alles auf eine Karte, um sich mit einem fehlerfreien Schießen nach vorn zu katapultieren. Strelow, Femsteinevik und Paulsen räumten im letzten Schießen jeweils alle fünf Scheiben ab, wobei Femsteinevik zunächst die Führung übernahm. Doch nur 0,2 Sekunden dahinter lag bereits Paulsen. Der junge Norweger gab auf der Schlussrunde alles und unterbot im Ziel die Zeit seines Teamkollegen. Damit sicherte er sich seinen ersten Sieg im Männerbereich überhaupt. Femsteinevik wurde am Ende Zweiter, Strelow komplettierte das Podium. 

Auf seinen Coup angesprochen meinte der Norweger: „Das war mein erster Start im IBU-Cup. Mit diesem Ergebnis hätte ich nie im Leben gerechnet. Vor dem Rennen wollte ich einfach nur Spaß haben und schauen, was am Ende dabei rauskommt. Als ich nach dem letzten Schießen erfahren hatte, dass ich in Führung lag, war ich völlig von den Socken. Ich habe dann alles aus mir herausgeholt, das hat letztlich gereicht. Ich bin unglaublich happy!“

Stroemsheim war an diesem Tag eindeutig der Schnellste in der Loipe und sicherte sich trotz seiner drei Fehlschüsse mit 14 Sekunden Rückstand noch Rang vier. Der Tscheche Tomas Krupcik landete nach 20 Treffern auf Platz fünf (18,4 Sekunden zurück). Nach zwei Fehlern kam der Russe Vasilii Tomshin auf den sechsten Rang (20,1 Sekunden zurück). 

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Fotos: Igor Stancik / IBU

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