Tandrevold mit starken Nerven und gutem Material
Tandrevold war nervös vor ihrem Einsatz als Schlussläuferin, waren die Norwegen doch Favoriten für den Sieg. „Das war ein sehr hartes Rennen heute. Ich war sehr nervös, weil ich wusste, dass mit Elvira, Denise und Justine laufstarke Konkurrenz unterwegs war, und ich wusste, dass unsere Staffel von einem Sieg ausgeht, vor allem um Schweden in der Nationencupwertung der Frauen zu schlagen. Ich stand ganz schön unter Druck.“
Zu den Skiern, die sie zum Sieg trugen, sagte sie: „Ich glaube, wir hatten heute das absolut beste Material für die Strecke. Ich habe bei den ersten drei Startern schon gesehen, dass die Ski unglaublich gut laufen, also habe ich darauf vertraut, dass mit den Skiern und mir obendrauf noch einiges drin ist!“
Platz vier ging an Deutschland mit sechs Nachladern und 1:53,7 Rückstand, Tschechien wurde mit acht Nachladern und 2:34,6 Rückstand Fünfter, Sechster wurde die Slowakei mit zehn Nachladern und 3:30,7 Rückstand.
Auch der letzte Tag in Otepää war so herrlich wie schon der Vortag. Bei blauem Himmel, +5 °C, aber etwas mehr Wind am Schießstand gingen vor einem Riesenpublikum zwanzig gemischte Staffeln auf die 4 x 7,5 km Strecke, die heute auf dem Programm stand, erst die Männer, dann die Frauen. Nur drei Teams kamen ohne Nachlader durch das erste Liegendschießen, angeführt von der Slowakei und dahinter Simon Desthieux, aber Desthieux und Bakken setzten sich vor dem Stehendschießen schon wieder an die Spitze. Der Norweger brauchte zwei Nachlader für die fünf Scheiben und ging in Führung, die acht besten Teams alle innerhalb von acht Sekunden.
Der junge Norweger setzte sich am Tag nach seinem ersten Podestplatz von den Verfolgern Desthieux, Jesper Nelin und David Komatz ab und übergab 18 Sekunden vor Fillon Maillet und Martin Ponsiluoma an Christiansen. Bis zum Liegendschießen hatten die Verfolger den Rückstand fast schon halbiert. Fünf satte Treffer und Norwegen hatte wieder 15,6 Sekunden Vorsprung vor Fillon Maillet, hinter ihm Felix Leitner und Ponsiluoma mit 25 und 28 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Christiansen brauchte einen Nachlader während Fillon Maillet und Ponsiluoma erneut mit fünf Schuss trafen und 2,5 km vor dem Wechsel bis auf 9,7 und 18,5 Sekunden aufholten.
Christiansen war auf seiner Runde so nervös wie Tandrevold auf ihrer. „Als zweiter Starter war ich heute nervöser, weil man nicht weiß, wie das Ergebnis am Ende aussehen wird, und dann muss man bis ins Ziel auf Vollgas laufen. Das bin ich von den Männerstaffeln nicht gewohnt, aber wir wussten ja, dass wir mit Tiril und Ingrid ein starkes Team haben und ich habe mich auf sie verlassen.“
Der Norweger bewies seine Stärke und setzte sich vom Gesamtweltcup-Sieger ab, sodass Eckhoff mit 20 Sekunden Vorsprung auf Chloe Chevalier und Linn Persson ins Rennen gehen konnte. Eckhoff und auch Persson lieferten ein perfektes Liegendschießen ab, und trotzdem vergrößerten die Norweger den Vorsprung auf 25 Sekunden, während Chevalier nach zwei Nachladern nun 50 Sekunden zurücklag. Die Schwedin fiel auf dem Weg zum Stehendschießen weiter zurück. Eckhoff traf mit dem zweiten Nachlader ihre letzte Scheibe, als Persson den ersten Treffer setzte, aber mit fünf schnellen Treffern hatte sie wieder auf 21 Sekunden verkürzt, Chevalier jetzt mit 36 Sekunden Rückstand. Eckhoff lief trotzdem uneinholbar vorweg und hatte alles im Griff.
Tandrevold hatte ein gutes Polster von 31 Sekunden, als sie als Schlussläuferin ins Rennen ging, Elvira und Braisaz-Bouchet auf ihren Fersen. Fünf satte Schuss und Tandrevold war wieder auf und davon. Auch Braisaz-Bouchet traf mit fünf Schuss, während Elvira zwei Nachlader brauchte. Das Duo ging zusammen mit 50 Sekunden Rückstand auf die Strecke und duellierte sich nun um Platz zwei. Tandrevold lief jetzt ihr eigenes Rennen, und die Französin und die Schwedin liefen die nächste Runde gemeinsam, wobei Braisaz-Bouchet das Tempo vorgab. Tandrevold traf die ersten vier Scheiben und brauchte für die letzte einen Nachlader, sodass den Norwegern der Sieg nicht mehr zu nehmen war. Elvira und Braisaz-Bouchet lieferten sich ein Schießduell, bei dem Elvira einen Hauch schneller schoss und mit fünf Treffern 10 Sekunden Vorsprung auf die Rivalin herausarbeiten konnte. Zu ihrem Schießen heute sagte Elvira: „Der erste Schuss im Liegendanschlag hat sich nicht gut angefühlt, aber ich habe versucht, das Tempo hoch zu halten ... Mein Stehendschießen ist einfach toll. Ich habe in Otepää nicht einmal verfehlt, damit bin ich sehr zufrieden.“
Auf der letzten Runde änderte sich nicht mehr viel. Tandrevold stürmte davon zum Sieg und hüpfte über die Ziellinie, nach begeistertem Winken zum Publikum, das sie zum Sieg getragen hatte. Schweden und Frankreich komplettierten das Podest.
Desthieux, dem Startläufer der Franzosen, ging es so wie wohl vielen anderen im heutigen Wettkampf: „Es war toll, heute als Startläufer in diese grandiose Staffel gehen zu dürfen. Es war ein herrlicher Tag, mit der Sonne und der tollen Stimmung, und das estnische Publikum ist wirklich fantastisch ... Es war eine Freude, hier heute zu laufen.“ Fotos: IBU/Hendrik Osula