Als der Tag in Oestersund sich dem Ende zuneigte und die norwegische Mannschaft mit Kristallkugeln überhäuft worden war, gab es noch einen letzten Preis zu verleihen. Die neuen Sieger des „Silbernen Trikots“, Jakov Fak und Anais Bescond, bestiegen das Podest, um die handgestrickten silbernen Trikots mit der 33+ und einen kleinen Pokal entgegenzunehmen.
Silber, nicht grau
Was mit einem beiläufigen Kommentar des IBU Vorstandsmitglieds Clare Egan während der Gespräche über das blaue Trikot letzten Sommer begann, erwuchs zu einer kleinen Siegerehrung am Ende der Saison und tatsächlich noch einem spannenden Kampf um den Sieg bei den Männern. Etwas später sprachen Egan und Susan Dunklee mit einigen Frauen, darunter Bescond, über dieses Projekt. Anfangs war der Name „Graues Trikot“ im Gespräch, woraufhin Bescond laut Dunklee erwiderte, „‚Das klingt so alt.‘ Also haben wir es in Silber umbenannt.“
Würdigung der Athletinnen und Athleten über 33
Bei dem Konzept ging es um eine Würdigung der Biathlon-Veteranen und -Veteraninnen, die mit über 33 Jahren immer noch auf höchstem Niveau mitlaufen. Dunklee weiter: „Dieser Sport ist sehr intensiv und die meisten 25-Jährigen sind schon lange dabei, also ist es schwer, weiter vorn dabeizubleiben, wenn man älter wird. Aber wir haben ein paar richtig gute ältere Athletinnen und Athleten, die immer noch auf höchstem Niveau dabei sind.“
Projekt für die Weihnachtspause
Richtig Fahrt nahm das Projekt über die Weihnachtspause auf, als Dunklee begann, die beiden Trikots zu stricken. „Ich habe ein normales Wettkampftrikot als Vorlage genommen. Dann habe ich Garn in den richtigen Farben ausgesucht, ausgetüftelt, wie viele Reihen man für jede Farbe braucht und ein Strickmuster für die Nummer gefunden. Das Frauentrikot habe ich über Weihnachten gestrickt und auf der Fahrt von Ramsau nach Oberhof mit dem Männertrikot angefangen. Ich habe für jedes mehrere Stunden gebraucht.“ Von da an machte sie nicht viel Aufhebens um das Projekt und präsentierte das gestrickte Trikot nur auf ihrer Instragram-Seite. „Es gab keine PR-Kampagne oder so etwas, das ist nicht meine Art.“
„Ich habe einfach kurz vor Antholz mit Jakov gesprochen und es ihm erklärt. Zu dem Zeitpunkt war ihm Arnd Peiffer dicht auf den Fersen. Nach dem Massenstart dort, als Jakov auf dem Podest stand, sagte er zu mir, das silberne Trikot müsse ihm Glück gebracht haben!“
Fak und Peiffer
Als die Saison sich dem Ende zuneigte, hatte Bescond bei den Frauen im Kampf ums Silberne Trikot klar die Nase vorn, da Egan nach einem starken Saisonstart schwächelte. Bei den Herren entwickelte sich ein Duell zwischen Fak und Peiffer, denen aber auch der Österreicher Simon Eder auf den Fersen war. Peiffer konnte nach dem zweiten Sprint von Nove Mesto 14 Punkte Vorsprung herausholen, doch mit einem starken achten Platz in der Verfolgung schob sich Fak wieder an ihm vorbei und lag nun zwei Punkte vorn. Nachdem Peiffer am ersten Tag in Oestersund seinen Rücktritt erklärt hatte, reichten Fak die letzten drei Rennen locker, um sich den Titel bei den Männern zu sichern.
Auf dem Podest
Die 35-jährige Dunklee, die in der Wertung der Frauen über 33 Dritte wurde, konnte bei der kleinen Siegerehrung in Oestersund leider nicht selbst dabei sein. Sie schaffte es aber in dieser Saison selbst aufs Podest, als sie in der Single-Mixed-Staffel von Nove Mesto mit Sean Doherty Dritte wurde. „Team-Wettkämpfe machen immer Spaß, und der ganz besonders. ... Was die verpasste Siegerehrung für das Silberne Trikot angeht, das war ganz schön ärgerlich, aber ich hatte einen frühen Heimflug. Die kleinen silbernen Pokale kamen von Johanna Talihaerm, die sie in einem Schaufenster entdeckt und Clare gefragt hatte, ob sie passend wären.“
Fak und Bescond posierten in Schwedens nationaler Biathlon-Arena stolz in ihren silbernen Trikots und mit ihren silbernen Pokalen für die Fotografen.
Bescond: „Einziger Gesamtsieg, den ich in meiner Karriere schaffen werde“
Bescond, die in Oslo 2007 ihr erstes Rennen in BMW IBU Weltcup absolviert hatte und deren beste Platzierung in der Weltcup-Gesamtwertung bislang ein siebter Platz war, freute sich von Herzen. „Das silberne Trikot ist eine Ehre. Selbst wenn es am Anfang nur ein Witz zwischen uns war, bin ich froh, dass ich es gewonnen habe. Ich weiß, dass das vermutlich der einzige Gesamtsieg ist, den ich in meiner Karriere schaffen werde!“
Umso älter, desto besser
Fak ließ sich später zu folgendem Facebook-Post hinreißen: „Überraschung, Sieger in der Kategorie 33+. Ich bin wie ein guter Wein: Umso älter, desto besser ... Bester Athlet in der Weltcup-Gesamtwertung in dieser Saison ... Lustige Idee ... Werde den Titel des „Besten Veteranen“ verteidigen, macht euch bereit, ihr anderen, ich gebe nicht auf! Glückwunsch an Anais.“
Der Slowene schloss mit den Worten: „Danke an Susan Dunklee für die tollen Strick-Trikots.“ Was die Zukunft des silbernen Trikots angeht, sagte Dunklee in ihrer gewohnt zurückhaltenden Art: „Wir schauen mal. Bis jetzt hat es sich einfach so ergeben.“
Photos: IBU/Christian Manzoni, Instagram